Mehrkosten für Stuttgart 21 keine Überraschung
Kostensteigerung für das Bahnprojekt war laut Wolfgang Drexler nie ausgeschlossen - Grüne wollen genaue Zahlen
Stuttgart (yw) - Das Bahnprojekt Stuttgart 21 wird teurer als geplant. Bislang lagen die Kosten bei 3,076 Milliarden Euro.
Nun ist nach Aussagen des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, klar, dass Geld aus dem Risikofond gebraucht
wird. Was lange nur ein Gerücht und unter den Gegnern eine Gewissheit war: Stuttgart 21 wird teurer als geplant. In rund vier
Wochen sollen die genauen Kosten für das Projekt Stuttgart 21 feststehen, sagte gestern der Sprecher des Bahnprojekts, Wolfgang
Drexler. Er habe aber immer damit gerechnet, dass die drei Milliarden Euro nicht ausreichen, sagte Drexler. „Das ist nichts
Neues.“ Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, hatte Mehrkosten eingeräumt. Nach bisherigen Verträgen
darf das Bahnprojekt maximal 4,5 Milliarden Euro kosten. „Wir werden in der Tat nicht mit 3,076 Milliarden auskommen“, so
der neue Bahnchef Rüdiger Grube.Seit Mai ist er im Amt und muss nun dieses größte Infrastrukturprojekt der Bahn vor Baubeginn
realistisch durchrechnen lassen. Noch vor einem Jahr war der Risikofond in Höhe von 1,45 Milliarden tabu, er werde wahrscheinlich
nicht gebraucht, hieß es stets. Nun ist klar, er wird bereits vor Baubeginn verplant, obwohl damit unbekannte Risiken während
der Bauzeit abgesichert werden sollten. Das Land, die Stadt und die Region, sie alle sind Partner der Bahn bei diesem Projekt
und alle verwiesen gestern auf die Bahn und ihren Projekt-Sprecher Wolfgang Drexler. „Vereinbarungsgemäß beantwortet das Kommunikationsbüro
des Sprechers für das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm Presseanfragen im Namen aller Projektpartner“, hieß es seitens der Landeshauptstadt.
Eine Kostensteigerung habe Bahnchef Grube nie ausgeschlossen. „Ein Puffer ist vorhanden“, so Wolfgang Drexler. In wenige Wochen
sollen die aktuellen Zahlen endgültig vorgestellt werden.
BUND-Regionalgeschäftsführer Gerhard Pfeifer merkte an, „dass Bahnchef Grube hinsichtlich Stuttgart 21 noch große Wissenslücken hat“. Laut Werner Wölfle, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, entpuppe sich das am besten gerechnete Bahnprojekt aller Zeiten als ein ganz gewöhnliches Bubenstück: „Die Katze ist aus dem Sack: Stuttgart 21 wird teurer. Bahnchef Grube weiß das. Er geht bereits jetzt, ohne allerdings konkret zu werden, von 40 Prozent Kostensteigerung aus.“ So werden ungeliebte Projekte billig gerechnet, um sie durchsetzen zu können, die Wahrheit komme immer erst später auf den Tisch. Das funktioniere hier aber nicht: „Mit den Gutachtern Veregg und Rössler sind seit langem sauber berechnete Kosten für den Tunnelbahnhof auf den Tisch. Es wäre an der Zeit, dass sich Herr Drexler bei den Münchner Verkehrsexperten entschuldigt“, so Wölfle. Drexler - der so genannte Mr. Stuttgart 21 - weigerte sich laut Wölfe allerdings, das Bekenntnis seines Bahnchefs nachzuvollziehen. Der Gesamtkostenrahmen werde nicht überschritten. Wölfle: „Im Nebelwerfen eine Eins!“ Er fordert die genauen Zahlen: „Wir wollen eine sachliche und ausführliche Bewertung des Risikos, so dass ein Ausstieg aus dem Vertrag für die Vertragspartner und den sie tragenden Gremien möglich ist.“Wenn Bahnchef Rüdiger Grube die derzeit laufende Werbekampagne für sinnlos halte, solle er sie stoppen, falls er sie zahlt. Wenn er sie nicht zahlt, wollen die Grünen wissen, auf wessen Kosten sinnlose Werbung für das Milliardengrab verbreitet wird, forderte Wölfle.


