Vom Stadtbrand verschont

 

Im Denkendorfer Hof wird noch heute nach alter Tradition Bier gebraut.
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Im Denkendorfer Hof wird noch heute nach alter Tradition Bier gebraut.

 

Esslingen (daw) - Dass das Gebäude in der Franziskanergasse 3, in dem das Chorherrenstift vom Heiligen Grab in Denkendorf nach 1400 seinen Esslinger Besitz verwalten ließ, heute noch steht, ist wohl einem glücklichen Zufall zu verdanken. Zahlreiche Gebäude in der Nachbarschaft waren 1701 dem großen Stadtbrand zum Opfer gefallen. „Im Güterbuch von 1719 werden Zerstörungen und Beschädigungen akribisch aufgezählt, beim Denkendorfer Hof wird kein Schaden erwähnt“, hat Ursula Kümmel vom Stadtarchiv für das Buch „Zwischen Himmel und Erde“ herausgefunden. Das Denkendorfer Chorherrenstift hatte bereits im 12. Jahrhundert Bedeutung erlangt und baute seinen Besitz - unter anderem in Berkheim, wo die Denkendorfer die Grundherrschaft innehatten - schnell aus. Nachdem Graf Ulrich III. für die Probstei den Schirmauftrag erhalten hatte, geriet diese dann 1377 im Krieg zwischen die Fronten und wurde durch die Reichsstädte Esslingen und Ulm völlig zerstört. Zehn Jahre später hatte sich das Verhältnis entspannt. So verlieh Esslingen am 16. August 1387 dem Chorherrenstift das Bürgerrecht „und befreite es für 20 Pfund Heller, zahlbar an Martini, von Steuer, Dienst und Schatzung“.

Nach den Recherchen Ursula Kümmels hatte das Kloster Denkendorf bereits vor dem Umzug in die Franziskanergasse Besitz in Esslingen. In den Jahren 1288 und 1309 ver­kauften die Denkendorfer Häuser in der Beutau. Nach der Einführung der Reformation in Württemberg verwaltete ein Pfleger die Güter des Denkendorfer Klosters teilweise zusammen mit denen der Klöster Adelberg und Blaubeuren. Als der Pfleger und spätere Spitalmeister Jeremias Mögling 1590 die Einkünfte und den Besitz des Chorherrenstifts neu verzeichnete, listete er nicht nur den von einer Mauer umfassten Denkendorfer Hof beim Franziskanerkloster mit Haus, Hofraite, Kornschütte und Zubehör „wie er vor jaren zue ettlichen underschidlichen mahlen erkaufft worden war“ auf. Zum Besitz gehörten auch ein „Haus mit Keller, Bindhaus und Zubehör am Kapellenberg beim Kaisheimer Hof“ sowie ein Fischwasser im Neckar.

Das 19. Jahrhundert bescherte dem Pfleghof zahlreiche Eigentümerwechsel: 1804 gehörte er dem kurfürstlichen Kirchenrat, vier Jahre später war er Domizil einer königlichen Kaserne. 1812 kaufte der Schwanenwirt Johann Georg Storz das Anwesen und richtete eine Brauerei ein. Sein Sohn August verkaufte den Hof 1855 an Carl Ehrmann, Direktor der Maschinenfa­brik Esslingen, der sich aber zwei Jahre später wieder von seinem Besitz trennte und ihn an Andreas Häberlin verkaufte. Der führte die Wirtschaft „Zum Schwanen“ weiter. Nach weiteren Besitzerwechseln kaufte die Firma Langheck am 27. Mai 1891 das gesamte Anwesen für 58 000 Mark, wissen Jürgen und Andreas Langheck aus dem Studium alter Geschäftsbücher. Nachdem man in den 70er-Jahren überlegt hatte, ob man im Denkendorfer Hof das Stadtarchiv, ein Studentenwohnheim, ein Hotel oder gar eine Zweigstelle des Lindenmuseums unterbringen könnte, entschied sich die Grundstücksgesellschaft Langheck, das Gebäude aufwendig zu sanieren, dort wieder Bier zu brauen sowie eine Gaststätte und Wohnungen unterzubringen. 1987 wurde dann das „Brauhaus zum Schwanen“ eröffnet.

Artikel vom 18.11.2009 © Eßlinger Zeitung

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