Zwei Klöster eng verbunden
Esslingen (mp) - Die beiden in Bayerisch Schwaben gelegenen Prämonstratenserstifte Ursberg und Roggenburg waren nur relativ kurze Zeit in Esslingen präsent. Gemeinsam erwarben sie das Gebäude in der Webergasse 20, in dem die Besitzungen verwaltet wurden. Dass die Klöster zusammen den Pfleghof kauften, verwundert mit einem Blick auf die Jahrhunderte nicht. Denn die Prämonstratenserstifte hielten stets enge Verbindung. Ursberg wurde bereits 1119 durch die Edlen Werner von Schwabeck, Vater und Sohn, gegründet und 1143 zum Reichsstift erhoben. Im Jahr 1126 wurde das von Berthold, Konrad und Siegfried von Bibereck gestiftete, südöstlich von Ulm gelegene Stift Roggenburg von Ursberger Mönchen besiedelt. Im Gegensatz zu Ursberg blieb Roggenburg von kriegsbedingten Zerstörungen weitgehend verschont.
Das Stift Roggenburg besaß bereits 1409 Weinberge in Plochingen. Es wird angenommen, dass es zu diesem Zeitpunkt auch Besitz in der Reichsstadt Esslingen hatte, so auch acht Morgen Weingarten am Hainbach. Ursberg hatte seit 1447 Besitz in Esslingen, etwa 3,5 Morgen Weingarten in der Ebershalde. Wie wichtig für die beiden Klöster der Esslinger Wein war, bezeugt eine Urkunde von 1563: Ursberg hatte Esslinger Bürgern 1350 Gulden geliehen. Den Zins sollten die Schuldner in Form von Wein begleichen.
Am 15. Dezember 1589 schließlich erwarben die beiden Klöster das Gebäude Webergasse 20 von den Erben des Stadtschreibers Ulrich Laucher für 540 Gulden. Infolge der Wirren des 30-jährigen Krieges, während dem der Pfleghof kurzfristig durch Schenkung des schwedischen Königs Gustav Adolf in den Besitz der Stadt überging, sahen sich die Äbte Matthäus und Friedrich am 2. Juli 1650 gezwungen, das Haus mit den im Keller liegenden Fässern, dem Garten und allen Gütern bis auf ein Kapital von 150 Gulden wieder zu verkaufen. Es ging für 400 Gulden über in den Besitz von Georg Marx Ruef, der auch Pfleger der Besitzungen Ursbergs und Roggenburgs in Esslingen war.
In der Folge wechselte das Haus seine Besitzer mehrfach. Von Mitte des 19. Jahrhunderts bis etwa 1905 war dort die Holzwarenfabrik von Gustav Weber untergebracht. Danach befand sich darin für einige Jahre das Vereinslokal der Heilsarmee, bis es schließlich zu einem normalen Wohnhaus wurde.
Unter dem Titel „Zwischen Himmel und Erde - Klöster und Pfleghöfe in Esslingen“ ist ein Buch erschienen, das Kirsten Fast und Joachim Halbekann herausgegeben haben. Es ist zum Preis von 20 Euro in den Esslinger Buchhandlungen, im Stadtarchiv, Stadtmuseum, in der Ausstellung sowie bei der Stadtinfo im Kielmeyerhaus zu haben.



