BüRGERMEISTER, RATSMITGLIEDER UND ZUNFTVERTRETER SIND IN DER WAPPENSTUBE VEREWIGT
Bereits im Jahr 1939 wurde der Speyrer Pfleghof als Denkmal anerkannt, hat Gabriele Unger herausgefunden, die sich für das Buch „Zwischen Himmel und Erde“ mit der äußerst komplexen Baugeschichte der heutigen Sektmanufaktur Kessler beschäftigt hat. Das markante Gebäude an der Stadtkirche wurde im Laufe der Jahrhunderte immer weiter ausgebaut. So erlebte der östlich von St. Dionys gelegene Pfarr- und Zehnthof des Domkapitels Speyer bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine bedeutende Ausbauphase, die „mit einer Aufschüttung des Geländes einherging“. Doch bereits zuvor stand auf dem Areal ein Steingebäude, von dem unter anderem „ein Rundbogenportal und unvergitterte Fenster im heutigen Kellergeschoss erhalten sind“. Ausgehend von diesem ältesten Bestand wurde der Wirtschaftshof Richtung Norden auf höher gelegenes Terrain erweitert. Beim heutigen Lichthof der Sektkellerei legte man einen neuen Hof an, „von dem aus eine Treppe zum älteren, niedriger liegenden Untergeschoss führte“, weiß Gabriele Unger, die die Erweiterung aufgrund von Steinmetzzeichen in die Mitte des 13. Jahrhunderts datiert.
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstand über einem neu angelegten Kellersystem in L-Form „ein rückwärtiger Querflügel durch Zusammenfassen älterer Bausubstanz zu einem einzigen Gebäude“. Auch die beiden mittelalterlichen Häuser auf dem Grundstück Marktplatz 22 wurden zu einem großen spätgotischen Bau vereint. Davon zeugen noch heute die Knickstelle in der Fassade und die leicht asymmetrische Verteilung der Fenster.
Nachdem der Esslinger Rat den Pfleghof 1547 gepachtet hatte, wurde der erneut umgebaut und modernisiert. Der aus 18 Wappen bestehende Fries, auf dem unter anderem drei Bürgermeister, Mitglieder des Geheimen und Kleinen Rats sowie Zunftvertreter zu sehen sind, entstand im Jahr 1574.
Im Jahr 1601 stand dann die umfassende Erneuerung des Anbaus Marktplatz 21 an, an der auch der württembergische Architekt und Baumeister Heinrich Schickhardt mitgewirkt haben soll. 1820 baute man den Ökonomietrakt komplett um. „So wurden der Rückflügel nach Abbruch der dortigen Kelter und Scheuer nochmals verändert und der ältere Torbau im Innenhof ausgebaut, das Gebäude Marktplatz 23 verbreitert und der Hauptzugang zur Kelter an die Westseite verlegt, wo eine Zufahrt nach dem Abriss des Katharinenhospitals 1811 möglich war“, schreibt Gabriele Unger. Die Fachwerkfassade, die heute das Bild des Speyrer Pfleghofs prägt, ist übrigens nur vorgeblendet. Der Esslinger Architekt Albert Benz war 1904 mit der Restaurierung beauftragt worden und plante auch den Brunnen neben der Eingangstür. daw
Unter dem Titel „Zwischen Himmel und Erde - Klöster und Pfleghöfe in Esslingen“ erscheint im September ein rund 340 Seiten starkes, Buch, das Kirsten Fast, ehemalige Leiterin der Esslinger Museen, und Joachim Halbekann, Leiter des Stadtarchivs, im Namen der Stadt herausgeben.


