Umbau vernichtet historische Bauteile

Esslingen (daw) - Als sich der Esslinger Architekt Albert Benz 1901 im Salemer Pfleghof umschaute, sah er noch das geschnitzte Balkenwerk mit Renaissancebemalung - und skizzierte es zum Glück auch. Denn heute ist es verschwunden. „Die totale Entkernung beim Ausbau zum katholischen Gemeindehaus 1979 bis 1982 vernichtete leider zahlreiche Bauteile und für die Bauforschung wichtige Befunde“, bedauert Christian Ottersbach, der sich für das Buch „Zwischen Himmel und Erde“ mit der Baugeschichte beschäftigt hat. Die Außenmauern des monumentalen Gebäudes an der Augustinerstraße, dessen Ostseite die frühere Stadtmauer abschließt, blieben erhalten. Zugänge zur Stadtmauer erkennt man heute noch an der Südostecke sowie der Nordseite des Hauptbaus.

Der ehemalige Leiter des Stadtarchivs, Walter Bernhardt, vermutet, dass der ehemalige Wirtschaftshof des Zisterzienserklosters Salem ursprünglich als herzogliche Stadtburg gebaut wurde und damit „die für Esslingen angenommene Königs­pfalz“ ist. Da beim Umbau zum Gemeindehaus aber keine archäologischen Untersuchungen gemacht wurden, lässt sich die „Pfalzthese Bernhardts zumindest bauarchäologisch nicht mehr überprüfen“.

Wappen der Stifter

Zwischen 1508 und 1515 wurde der Pfleghof um den Westflügel, in dem heute der Haupteingang ist, und die Marienkapelle auf der Nordseite erweitert. Sie hatte ursprünglich ein Gewölbe. Der Architekt Albert Benz entdeckte bei seinem Rundgang noch Reste einer Ausmalung in der Kapelle. Meister Marx aus Stuttgart, der Baumeister an der Frauenkirche war, hatte diesen spätgotischen Umbau geleitet. Im Erdgeschoss des westlichen Flügels lag die große Kelterhalle, eine zweite, kleinere und mit zwei Kelterbäumen ausgestattete Halle „lehnte sich gegen die Stadtmauer auf der Ostseite des Hofes“, schreibt der Kunsthistoriker Christian Ottersbach. Der Wein wurde in großen Kellern unter dem Südflügel des Pfleghofs gelagert.

Als besonderes Kleinod bezeichnet Ottersbach den spätgotischen Erker an der Westseite des Hauptbaus mit den Wappen des Abtes Johannes II., Erzbischof Eberhards II von Salzburg als zweitem Stifter des Klosters, sowie des Klosterstifters Guntram von Adelsreute und des Heiligen Bernhard von Clairvaux. Nachdem Württemberg 1682 den Pfleghof gekauft hatte, wurde das württembergische Wappen, sicher zum Ärger der Reichsstädter, in einer Nische über dem Tor angebracht. Ursprünglich war das mächtige Gebäude an der Augustinerstraße höher. Als im Dezember 1742 ein Nachbarhaus im Süden brannte, wurden die Mauern des Pfleghofs so stark beschädigt, dass man 1744 das oberste Geschoss abtrug und einen neuen Dachstuhl aufsetzte.

Artikel vom 20.08.2009 © Eßlinger Zeitung

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