Ein Grabmal auf Wanderschaft

KREIS ESSLINGEN: Gestohlener Stein mit hebräischer Inschrift kehrt auf einen Friedhof in Franken zurück

 

Georg Schnabel kümmert sich um den Friedhof im fränkischen Laudenbach und ist froh, dass der inzwischen restaurierte Stein zurückgekehrt ist.Foto: e
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Georg Schnabel kümmert sich um den Friedhof im fränkischen Laudenbach und ist froh, dass der inzwischen restaurierte Stein zurückgekehrt ist.Foto: e

 

(daw) - Nach einer Reise durch den Kreis Esslingen ist ein jüdischer Grabstein, der vor rund 20 Jahren gestohlen worden war, jetzt wieder an seinem ursprünglichen Standort in Franken gelandet. Oberkirchenrat Joachim Hahn, ein ausgewiesener Kenner des jüdischen Lebens in Württemberg, machte die Grabstelle ausfindig, auf der der Stein einmal stand, und brachte ihn zurück.

Vor einigen Wochen hatte Georg Wötzer, Vorsitzender des Esslinger Vereins Freunde Jüdischer Kultur, eine E-Mail aus Deizisau bekommen. Darin teilte der Verfasser mit, dass seine Familie seit ungefähr zwanzig Jahren im Besitz eines jüdischen Grabsteins sei, den die Tochter auf einem Flohmarkt erstanden hatte. Nachdem die Deizisauer Familie erfahren hatte, dass es in Esslingen einen Verein gibt, der sich um die Pflege der jüdischen Kultur kümmert, war man zu dem Schluss gekommen, dass der Grabstein dort besser aufgehoben sei. Deshalb bot man Georg Wötzer den Stein gratis an. Der griff sofort zu und holte den Grabstein nach Ober­esslingen.

Die Geschichte des alten Grabmals ließ dem Vereinsvorsitzenden aber keine Ruhe. Der Stein war zwar sauber in zwei Teile zerbrochen, doch konnte man die hebräische Schrift sehr gut lesen: Das Grabmal hatte früher auf der letzten Ruhestätte eines gewissen Ahron Hecht gestanden, der 1898 im Alter von 87 Jahren in Laudenbach gestorben war. „Doch welches Laudenbach war gemeint, jenes bei Heilbronn, oder jenes in Franken?“, fragte sich Georg Wötzer und zog schließlich Oberkirchenrat Joachim Hahn aus Plochingen zu Rate.

Hahn ermittelt die Grabstelle

Und dort war er genau an der richtigen Adresse. Denn mit Hilfe des vom Staatsarchiv Stuttgart bereitgestellten Registers jüdischer Friedhöfe fand er nicht nur heraus, dass der Stein aus Laudenbach in Franken stammte. Der Fachmann ermittelte sogar die Grabstelle von Ahron Ben Jehuda Hecht. Nachdem Joachim Hahn auch noch herausgefunden hatte, wer für den Friedhof in Laudenbach verantwortlich ist, brachte er den historischen Stein schließlich persönlich nach Franken zurück. Dort erfuhr der Oberkirchenrat von Georg Schnabel, der den Friedhof betreut, dass Ahron Hechts Grabstein vor etwa 20 Jahren von Unbekannten, die damit wohl Geld machen wollten, vom Friedhof gestohlen worden war.

Artikel vom 21.08.2009 © Eßlinger Zeitung

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