Die Altstadt wird zur großen Bühne

ESSLINGEN: Kulturfest „Stadt im Fluss“ vom 18. bis 20. September - Stadtinszenierung mit 300 Mitwirkenden

 

Rolf Hempel und der Esslinger Liederkranz probten beim Ottilienplatz ihren Auftritt bei der Stadtinszenierung.Foto: Bulgrin
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Rolf Hempel und der Esslinger Liederkranz probten beim Ottilienplatz ihren Auftritt bei der Stadtinszenierung.Foto: Bulgrin

 

Die ganze Stadt wird wieder auf den Beinen sein, wenn vom 18. bis 20. September das dritte Esslinger Kulturfest „Stadt im Fluss“ steigt. Höhepunkt des dreitägigen Festivals soll eine Stadtinszenierung mit mehr als 300 Mitwirkenden werden. Ehe gestern die ersten Proben an einem der zwölf Schauplätze in der Altstadt begannen, stellten die Macher das Konzept ihrer Stadtinszenierung vor, die Außensicht und Binnenschau auf Esslingen verbinden soll.

Von Alexander Maier

„Esslingen singt, spielt, tanzt, zeigt, performt, präsentiert, installiert und inszeniert die Stadt im Fluss“, heißt die Devise des städtischen Kulturreferates und seiner zahlreichen Partner. Was Anfang der 90er-Jahre mit der Kulturnacht begonnen hatte, fand 2005 mit „Stadt im Fluss“ seine Fortsetzung. Und weil gleich die Premiere ein Riesenerfolg war, will die Stadt das Festival seither im Zweijahresrhythmus fortführen. Mit einer simplen Fortsetzung ist es jedoch nicht getan: Kein Kulturfest soll wie das andere sein - jedesmal plant das Kulturreferat einen etwas anderen Höhepunkt. Die dritte Auflage von „Stadt im Fluss“ umfasst das Kunstprojekt „acqua minerale“, das „Kulturräume“-Programm der örtlichen Kultureinrichtungen mit mehr als 30 Einzelveranstaltungen und die Stadtinszenierung, die den großen Erfolg der Stadtoper aus dem Jahr 2007 fortführen soll.

Originelle Wege gehen

Kulturreferent Peter Kastner sieht in dem dreitägigen Festival und ganz besonders in den Stadtinszenierungen „ein Alleinstellungsmerkmal für Esslingen, das wir auch weiterhin sehr konsequent pflegen sollten“. Und er ist überzeugt, dass auch das nächste Festival ein großer Ansporn sein wird, in der Kultur originelle Wege zu gehen und dafür auch das nötige Geld bereitzustellen. Gut 200 000 Euro soll das Fest diesmal kosten - allein die Stadtinszenierung, die an den ersten beiden Abenden aufgeführt wird, schlägt im Budget mit rund 120 000 Euro zu Buche. Doch die Stadt kann auf namhafte Zuschüsse der Zukunftsstiftung Heinz Weiler, der EnBW, der Stiftungen von Kreissparkasse und Landesbank sowie des Ritter Sport Kunstsponsorings zurückgreifen.

Einer der Höhepunkte im Programm von „Stadt im Fluss“ soll die Stadtinszenierung werden, die unter der Federführung von Projektleiterin Sabine Brandes auf den Weg gebracht wurde und deren Konzept die Stadt gestern vorstellte: Deutschsprachige Literaten waren eingeladen worden, sich ihren eigenen Reim auf Esslingen zu machen. Aus mehr als 120 Einsendungen wählte eine Jury 13 Texte aus - drei waren von den Esslinger Autoren Olaf Nägele, Anna Breitenbach und Horst Wöhrle eingereicht worden, die übrigen kamen aus der ganzen Republik zusammen. Und sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Ob Lyrik oder Prosa, Beziehungskonflikt oder Kunstfarce, Groteske oder Sozialtraum - alles war erlaubt. Sie erzählen vom städtischen Leben, von Einsamkeit und Zweisamkeit, von Menschen mit Sehnsüchten und Träumen. Manche beziehen sich ganz direkt auf Esslingen, andere spielen eher abstrakt mit Stadtmotiven. Zehn Texte legte die musikalische Koordinatorin Sabine Eberspächer Komponistinnen und Komponisten mit engem biografischem Bezug zu Esslingen vor, die sich von ihnen zu einer passenden musikalischen Umsetzung inspirieren ließen.

Unter Regie von Christine Gnann, die im Mai den „Herzogsbesuch“ zum Marbacher Schillerjahr inszeniert hatte, werden Kompositionen und nicht vertonte Texte von Profimusikern und Esslinger Ensembles an zwölf verschiedenen Orten in der Esslinger Altstadt aufgeführt. Was die Regisseurin besonders begeistert, ist „die Bereitschaft der Laien, auch ganz neue Wege zu gehen und sich auf Ungewohntes einzulassen“. Und sie verspricht augenzwinkernd: „Das werde ich schamlos ausnützen.“ Jede Szene dauert fünf bis neun Minuten, an jeder Station fängt das Spiel an beiden Abenden im September im Viertelstundentakt an. Eine chronologische Handlung gibt es ausdrücklich nicht - jeder kann seine Tour ganz nach Lust und Laune selbst zusammenstellen. Die Stationen heißen unter anderem Hafenmarkt („Die Neccarrusprozession“), Zwerchstraße („Der Bann der Esslinger Tore“), Ottilienhof („Fern der Provinz“) oder Wagnergasse („Die Einsamkeit sitzt an der Bar“). Manches ist bereits fest geplant, anderes soll sich erst in der weiteren Probenarbeit, die gestern begann, entwickeln. „Da stecken noch viele Geheimnisse drin“, sagt Christine Gnann. „Manche kennen noch nicht einmal wir selbst.“

Artikel vom 22.07.2009 © Eßlinger Zeitung

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